Konsens ist das Fundament jeder BDSM-Begegnung. Ohne ihn gibt es kein BDSM — nur Übergriffe. Das klingt simpel, ist es in der Umsetzung aber nicht immer. Guter Konsens ist kein einmaliger Haken auf einer Liste, sondern ein fortlaufendes Gespräch.
Die vier Eigenschaften von Konsens
Gültiger Konsens ist:
Informiert — Alle Beteiligten wissen, worauf sie sich einlassen. Überraschungen die nicht vereinbart wurden, sind kein Konsens.
Freiwillig — Keine Druckausübung, kein emotionales Überreden, keine Ausnutzung von Hierarchien oder Abhängigkeiten.
Widerrufbar — Konsens kann jederzeit zurückgezogen werden, auch mitten in einer Szene, auch wenn man vorher „ja“ gesagt hat. Ein zurückgezogener Konsens muss sofort respektiert werden.
Kapazitätsbezogen — Personen unter starkem Einfluss von Alkohol, Drogen oder in akuten psychischen Krisen können keinen gültigen Konsens geben.
Wie Konsens in der Praxis funktioniert
Vor einer Szene findet idealerweise ein Negotiation-Gespräch statt: Was ist gewünscht? Was sind harte Grenzen? Was sind weiche Grenzen? Welche Worte oder Signale werden verwendet um zu pausieren oder zu stoppen?
Während einer Szene wird Konsens durch Check-ins aufrechterhalten — verbale oder non-verbale Signale die zeigen, dass alle noch mit dabei sind.
Nach einer Szene bietet Aftercare die Möglichkeit, das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten (→ siehe Eintrag: Aftercare).
Grenzen von Vorab-Konsens
Ein häufiges Missverständnis: „Wir haben vorher alles besprochen, also muss ich jetzt durchhalten.“ Das stimmt nicht. Vorab-Konsens legt einen Rahmen fest — er ersetzt nicht das Recht, jederzeit aufzuhören.
Manche Praktiken beinhalten bewusst vereinbarte Consent Non-Consent (CNC)-Szenarien, in denen das Nein zur Inszenierung gehört. Auch hier braucht es vorab klare Vereinbarungen und ein Stopp-Signal das außerhalb der Szene liegt.